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Hochwasser 16. Juli 1965 in Westheim

 

Nach tagelangen Regenfällen waren in unserer Gegend Flüsse und Bäche stark angeschwollen. Der Pegelstand der Diemel war so hoch gestiegen, daß die Brücke an der Straße nach Helmighausen die Wassermassen kaum fassen konnte. Viele Keller in der Siedlung standen unter Wasser.

 

Schlimmer war es allerdings vom Dahlbach gekommen. Der Bach führte sehr viel Wasser. Als sich dann ein Wasserfaß, aus Richtung Oesdorf kommend, vor einer Brücke festsetzte, war es geschehen. Die Wassermassen konnten  ungehindert ins Dorf fliessen. Der Bahndamm hielt das Wasser zurück, so daß Hauptstrasse (B7), Belgradstrasse und alter Postweg teilweise bis zu zwei Meter unter Wasser standen. Der alte Feuergraben war der einzige Durchlass wo der Dahlbach in die Diemel fliessen konnte.

 

Bei den etwas tiefer liegenden Häuser stand das Wasser meterhoch in den Wohnräumen. Viele Tiere ertranken. Von der Kanzel in der Kirche rief der Herr Pastor am Sonntag alle Westheimer auf, den geschädigten Bürgern zu helfen. Viele Leute kamen. Bauunternehmer mit Radladern. Bauern mit Trecker und Wagen, andere mit Schaufeln. Einige Häuser waren nur noch zum Teil bewohnbar. (Siehe auch "Alte Bauernhöfe und Häuser in Westheim").

 

Der Zusammenhalt der Westheimer Bevölkerung war sehr groß.

Zur gleichen Zeit wurde in Westheim die Kanalisation gebaut. Die Arbeiten verzögerten sich durch das Hochwasser. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich noch wochenlang hinaus. Nach Jahren wurde der Dahlgraben ab der B7 ausgebaut und verlegt. Jedoch an der Stelle wo das Wasser ins Dorf hereinbrach wurde leider nichts unternommen, sodaß eine Überschwemmung, wie damals, auch heute bei starken Regen  nicht ausgeschlossen ist.

 

Zur Information noch folgender Hinweis: Laut der Westheimer Chronik wird berichtet, daß am 10. Juni 1758 ein schwerer Donner und Hagel auf Westheim hernieder ging. Vielen Bauern ging für mehrere Jahre die Ernte verloren. Doch hierzu einen späterer Bericht, auch von den Namen der Westheimer Bauern, die man heute nicht mehr kennt.

 

Nun zu den Bildern:

 

Bild 1 "Hauptstr. ab rechts Molkerei" Foto von Herrn Kambach, damaliger Leiter der Poststelle Westheim. Aufgenommen vom Postamt Westheim.(Heute Bürohaus Alfons Jesper).

 

Bild 2  " Haus Gasthof Degenhardt" - Foto Ludger Dickmann. Aufgenommen von Textilhaus Jesper.

 

Bild 3 " Milchwagen vor der Molkerei", links das alte Haus von Engelhardt, heute Blumen Trachternach. Foto Josef Hülsmann.

 

Bild 4" Zeitzeuge Wolfgang Becker. Vor dem alten Gasthof "Wegener-Hülsmann" Es fuhr damals noch eine Kraftpost von Westheim über Meerhof nach Fürstenberg. An der Wand ist noch zu erkennen wie hoch das Wasser stand. Man rauchte noch "Juno". Foto Josef Hülsmann.

 

Wolfgang Becker

Ortsheimatpfleger

Westheim

 

Recht herzlich möchte ich mich bei  Herrn Jörg Erkel von der Firma HRT bedanken, welcher für mich unentgeldlich die Berichte einstellt.

Marsbergs Fundstück des Monats April 2015 beschäftigt sich mit der „Urwahl“ –

Erster, demokratischer Wahlkampf anno dazumal im Jahr 1848

 

Westheim.Eine absolute Rarität erhielt jetzt der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ für die Sammlungen des Museums „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“. Die originale Urkunde aus dem Jahr 1848 zeigt die Anfänge der Demokratie und blickt auf das Wahlrecht samt der Wahlordnung. Dieses Relikt wurde nun von den „Marsberger Geschichten“ zu Marsbergs Fundstück des Monats April 2015 prämiert. Der Sauerlandkurier stellt die geschichtlichen Hintergründe exklusiv vor. Zur damaligen Zeit lebte Joseph Theodor Graf zu Stolberg-Stolberg in Westheim. Dort hatte er bereits im Jahr 1840 das sogenannte „Gut Westheim“ erworben. Stolberg wurde am 12.08.1804 auf Haus Lütkenbeck geboren und starb am 05.04.1859 in Rumillies in Belgien. Sein Vater war der bekannte, zum Katholizismus konvertierte Jurist und Dichter Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg. Er war befreundet mit Johann Wolfgang von Goethe, Matthias Claudius und Johann Gottfried von Herder. Joseph Theodor Graf zu Stolberg-Westheim studierte in Münster und Bonn. Im Jahr 1824 trat er als Novize in den Jesuitenorden ein. Innerhalb des Ordens verbrachte er in Brig, Freiburg und Rom weitere Studienzeiten. 1834 schied er aus dem Orden aus und trat in das österreichische KuK-Militär ein. Dort brachte er es bis zum Leutnant. 1837 kehrte er nach Preußen zurück. In seiner Zeit in Westheim, das damals noch zum Kreis Büren gehörte, wurde er 1843 durch die Landstände des Kreises aus drei Kandidaten als Landrat ausgewählt. Preußischer Landrat konnte nur werden, wer Grundbesitz im Landkreis hatte, in Unabhängigkeit garantierenden Vermögensverhältnissen lebte und seine fachliche Qualifikation in einer Prüfung nachwies. 1843 erfolgte durch Graf Stolberg erst eine kommissarische Übernahme der Verwaltung des Bürener Landratsamts, die 1845 eine Ernennung zum Landrat Bürens zur Folge hatte. Darüber hinaus war Stolberg Mitglied des westfälischen Provinziallandtages. 1848 kam es in deutschen Landen zu Revolutionen. Auch in Westheim gab es Proteste von Bauern, die gegen das Gut „marschierten“. Als Landrat forderte Graf Stolberg das Militär an, da es bereits Ausschreitungen und Brandstiftungen gegen das Schloss Fürstenberg gegeben hatte. Aufgebrachte, teils angetrunkene Bauern versammelten sich beim Schloss und verlangten die Ablösung von gutsherrlichen Lasten. Graf Stolberg versuchte sie zu beruhigen. Was zunächst nicht gelang. In der Chronik steht aber geschrieben: „Allein mit der Nacht kam die Ruhe, des folgenden Morgens war Westheim wieder nüchtern und die Revolution war vorüber…“. Aus dieser „Revolutionszeit“ resultierend entstand auch ein Kreuz auf dem Büchenberg. Dieses ist allerdings eine andere Geschichte. Marsbergs Fundstück des Monats wiederum ist ein Flugblatt an die damaligen Bewohner des Kreises Büren. Es wurde in Paderborn bei der „Junfermann´schen Buchdruckerei“ erstellt. Landrat Graf Stolberg hatte es im April 1848 von Westheim aus in Auftrag gegeben. Es handelt sich um den ersten Aufruf zur sogenannten „Urwahl“, der Wahl zur Nationalversammlung. In dem Wahlaufruf bittet Graf Stolberg als Landrat die Bürger in seinem „Wort des Ernstes und der Liebe“: „Mit dem plötzlich eingetretenen Wechsel unsrer öffentlichen Verhältnisse, sind mancherlei Wünsche und Bestrebungen aufgetaucht, deren Gegenstand denen von welchen sie ausgingen nicht klar war…“. Graf Stolberg verweist darauf, dass die Bürger mit Überlegung und Anstand zu den „bevorstehenden Urwahlen“ gehen sollten, da sie „für uns von größter Wichtigkeit sind“. Er schreibt auch, wem die Stimme nicht zu erteilen sei: „Jene, die aller geistigen Güter baar, ihr zeitliches Vermögen durch Liederlichkeit und Prozeßkrämerei verloren haben, solche wollen wir nicht wählen.“ Ferner: „Jene, deren Glaubensbekenntnis uns höchstens aus den Taufbüchern bekannt ist, die aber die Kirchenluft nicht vertragen können… solche wollen wir unter keinen Umständen wählen.“ Auch „Männer ohne Erwerb“, die „von Haus zu Haus ziehen“, „Quertreibereien und Feindschaften anstiften“, die „hinter vollem Glase über die Welt den Stab brechen“ oder die nur auf ihren eigenen „Dünkel gestützt sind“ waren lt. Graf Stolberg nicht wählbar. Zu Letzt verweist Stolberg auf die „guten Christen“. „Freiheit ist das allgemeine Loosungswort“. „Wehe dem“, „der mit Geschenken“ die Wahl zu beeinflussen versuchte. Auch dem „Branntwein“ sagte er dem Kampf an. Zur Wahl bat er: „Nüchtern, im vollen Frei-Genusse unsrer Sinne… an´s Werk“ zu gehen. Im April 1848 reichte Graf Stolberg seinen Abschied als Landrat ein, der im Juni des Jahres ausgesprochen wurde. Man wählte Stolberg in die Nationalversammlung. Im Jahr 1849 war er an der Gründung der Zeitung „Deutsche Volkshalle“ in Köln und eines Anti-Duellvereins beteiligt. Später entsandte man ihn nach Berlin in die zweite Kammer des Preußischen Landtags für den Wahlkreis Büren-Warburg-Höxter. Als führender Vertreter des politischen Katholizismus im 19. Jahrhundert gründete er vor Ort den Piusverein und in Regensburg den deutschen Bonifatiusverein. Bis zu seinem Tod in 1859 war er auch deren erster Präsident. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de          

 

Fotos im Anhang:

 

01        Marsbergs Fundstück des Monats April 2015: Der Urwahl-Aufruf vom Bürener Landrat Joseph Graf zu Stolberg-Westheim aus dem Jahr 1848 an die Bevölkerung.

 

02        Ein zeitgenössisches Bildnis von Joseph Graf zu Stolberg-Westheim.

 

03        Das Westheimer Schloss im Jahr 1874.

 

 

 

Zur Geschichte der Gasthöfe in Westheim

Ein Bericht von Wolfgang Becker, Bildbearbeitung Horst Mänz, Umsetzung auf die Homepage Jörg Erkel


Gasthof Degenhardt

Als die Eisenbahn auch in Westheim ihren Betrieb aufgenommen hatte wurde im Jahr 1875 der Gasthof durch Friederich Joseph Degenhardt eröffnet.

Durch die Nachfolge der Generationen wechselten die Besitzer. 1907 Wilhelm Degenhardt 1937 Friederich Degenhardt 1950 Willi Degenhardt.

Links von der Treppe befand sich das Gastzimmer. Im Gebäude rechts der Treppe war ein Geschäft eingerichtet. Neben Lebensmittel wurden überwiegend bäuerliche Waren angeboten. Am Haus rechts befand sich die erste Tankstelle von Westheim. Bevor die Autos mit Benzin fuhren, kaufte man Spiritus in Apotheken zum betreiben der Fahrzeuge. Daher heute noch oft der gebräuchliche Name "Sprit".

Das Haus Degenhardt wurde immer weiter ausgebaut. Im hinterem Teil war ein Saal eingerichtet. Der Schützenverein, der Gesangverein (probte hier einmal die Woche), der Sportverein und weitere hielten ihre Versammlungen ab. Der Laden wurde aufgegeben und vermietet. Unter anderem befand sich hier eine Agentur, ein Obstladen, eine Eisdiele, eine Fahrschule.

Als Willi Degenhardt im Jahre 2006 verstarb, einige Zeit später auch seine Frau Gisela, wurde die Gaststätte aufgegeben. Nach kurzem Leerstand kaufte Friseurmeister Aßmuth das Gebäude und richtete einen modernen Salon ein. Im Laden rechts ist heute eine Fotoausstellung eingerichtet.


Gasthof Hülsmann

Der Betreiber des Gasthofes war  Herr Hennecken. Als die Eisenbahn 1872 fertig wurde hatte der Besitzer an den Bauleuten (Überwiegend Gastarbeiter u.a. aus Italien) gute Geschäfte gemacht. Er verkaufte 1880 den Gasthof und erwarb ein Hotel in Scherfede. Johann Wegener kaufte dann das Gebäude und gab ihm den Namen "Gasthof zum Bahnhof". Schon frühmorgens wurde das Lokal geöffnet. Viele Arbeiter nutzten die Bahn um an ihre Arbeitsstellen zu gelangen. Fam. Wegener verkaufte sehr viel Rauchwaren an die Fahrgäste. Die Bauern aus den umliegenden Ortschaften brachten in der Frühe die Milch zur gegenüber liegende Molkerei. Im Winter tranken sie ihren Schnaps zum aufwärmen, im Sommer ihr Bier um gegen die Wärme anzukommen. Den ganzen Tag war ein reger Betrieb. Aus allen Ortschaften kamen die Bauern, Handwerker und Privatleute um ihre bestellten Waren vom Bahnhof abzuholen. Im, und nach dem zweiten Weltkrieg kam ein Arzt zweimalig in der Woche um eine Sprechstunde abzuhalten. 1921 hatte Karl Hülsmann durch Heirat mit Elisabeth Wegener das Lokal übernommen. Nach dem Krieg übernahm Josef Hülsmann mit seiner Frau Elisabeth den Betrieb und führten ihn erfolgreich weiter.

Als im Jahre 1965 das schlimme Hochwasser über Westheim hereinbrach wurde der Gasthof zum Bahnhof stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Wasser stand meterhoch in den Gasträumen. An eine Renovierung war nicht zu denken. Elisabeth und Josef hatten den Mut eine neue Gaststätte zu bauen. Im Bild vorn sieht man den neuen Gasthof. Hinter dem Gebäude das Dach des alten Hauses. Rechts daneben im Gebäude befand sich eine Drogerie.Später unter anderem ein Bilderrahmengeschäft. Im Hintergrund der Bahnhof. Links die Molkerei.

Im Jahre 1995 verpachtete Elisabeth und Josef Hülsmann den Gasthof. Nach verschiedenen Pächtern ist heute die Pizzeria "Mamma Mia" eingezogen.


Restaurant-Cafe Kleck

Im Jahr 1928 pachtete Heinrich Kleck mit seiner Ehefrau Änne die Bäckerei von Fam. Domann, vormals Rosenkranz. 1935 kauften die Eheleute Kleck das Gebäude.

In den Jahren 1956 und danach wurde das Gebäude umgebaut und immer wieder erweitert. Die Bäckerei wurde modern umgebaut. Ein Cafe kam dazu.

Später wurde eine Gaststätte eingerichtet. 1962 übernahm Heinz Kleck mit seiner Ehefrau Hannelore den Betrieb und erweiterten ihn immer weiter und moderner. Ein Saal wurde angebaut. Es wurden regelmäßig Tanzveranstaltungen gemacht, welche von der Westheimer Bevölkerung und weit darüber hinaus freudig angenommen wurden. Eine Kegelbahn kam hinzu.

Im Saal fanden immer mehr Veranstaltungen statt. Einige Jahre gab es Karneval-Sitzungen mit einem Verein aus Düsseldorf. Gästezimmer, welche auch heute noch gut angenommen werden, kamen hinzu. 1975 machte Hannelore Kleck die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk. So konnte sie den Betrieb nach dem Tode von Heinz Kleck 1991 weiter führen.

Hannelore und Tochter Ariane schlossen 1995 die Bierstube und das Restaurant. Heute führen sie das Cafe, den Bäckereiladen, eine Heißtheke und die Gästezimmer weiter. Ariane machte erfolgreich ihre Bäckermeister-Prüfung. Im Saal finden heute sehr viele Veranstaltungen statt. Auch für kleinere Feiern stehen zwei kleinere Räume zur Verfügung.


Zum Blauen See

Bevor Johann Jesper 1900 das Haus kaufte befand sich schon ein kleiner Lebensmittelladen und eine Schankwirtschaft darin. Um 1920 wurde das Haus um ein Stockwerk erweitert. In einem Nebengebäude betrieb Herr Jesper eine Stellmacherei. Die Schankwirtschaft wurde von der Familie Jesper weiterhin betrieben. Heinz Jesper sen. hatte ein kleines Textilgeschäft im Haus. Als der Laden zu klein wurde, baute man ein größeren Raum an. Heute der Saal des Gasthofes.

Familie Jesper verpachtete ab 1958 das Lokal an verschiedene Betreiber.

Alfons Jesper übernahm die Wirtschaft 1978. Sie wurde weiterhin verpachtet. Auch als 2003 Herr Edmund Hering das Gebäude kaufte. Da der "Blaue See" sehr nah am Diemel-Radweg liegt, wird er gern von Radfahrern besucht.


Zum Diemeltal

Josef Reck erbaute nach dem zweiten Weltkrieg in der heutigen Franziskusstraße ein Wohnhaus mit kleinem Lebensmittelladen. Um 1954,da die Siedlung immer größer wurde, entschloß er sich ein Gasthaus anzubauen. Bis zum Jahre 1966 wurde das Lokal von Josef Reck und seiner Frau Elfriede betrieben. Dann wurde es von mehreren Pächtern weitergeführt. Im Jahr 1986 wurde die Gastwirtschaft geschlossen.

Zwei Jahre später kaufte Josef Beller das Gebäude und baute es um. Er errichtete ein Geschäft für Raumausstattung darin.


Welzig Johannes

Im Jahre 1971 baute Johannes Welzig in der heutigen Franziskusstraße eine kleine Gastwirtschaft. Mit seiner Ehefrau Christa führte er das Lokal. Bis heute ist die Wirtschaft ein gern besuchtes Haus für Jung und Alt. Durch den Anbau eines Wintergartens kann er auch eine größere Personenzahl bedienen. Seit mehreren Jahren haben sich etliche Sparclups angesiedelt.


Forsthaus und Schenkwirtschaft Jägerpfad

Obwohl das Forsthaus nicht auf Westheimer Boden steht, sollte es trotzdem erwähnt werden. Vor und nach dem zweiten Weltkrieg kauften die Westheimer ihr Brennholz im "Warburger Wald". In der Schenkwirtschaft (Es wurden nur Getränke ausgeschenkt) wurde dann eine Rast eingelegt, bis es mit den Pferdegespannen heimwärts ging. Heute ist das Forsthaus Jägerpfad unbewohnt.

Besonders wichtig für die Entwicklung des Ortes Westheim war die Familie Holtey, welche mit Hilfe des heute leider nicht mehr existenten Mühlengrabens in Westheim die Mühle und das Elektrizitätswerk betrieb.

 

Meine Schwester und ich waren als Nachbarskinder oft bei "Onkel Karl und Tante Elise" und haben uns im Sommer durch den herrlichen Vorgarten gefuttert. Es gab Erdbeeren, Birnen, Äpfel, Pflaumen, Erbsen, Mören, Johannisbeeren, Stachelbeeren und nachmittags auch mal ein schönes Brot mit selbstgemachtem Johannisbeergelee. Ich schmecke es jetzt noch, wenn ich daran denke. Lecker !!! Da ich technisch sehr interessiert war, dürfte ich mich auch oft durch Onkels Karls Werkstatt wühlen, die alten Stromzähler auseinandernehmen und beim Reinigen des Schutzgitters vor dem Turbineneingang helfen. Karl war bis ins hohe Alter sehr interessiert an allen technischen Neuerungen und lieh sich sogar bei mir einen Heimcomputer (Sinclair ZX Spektrum) aus, um "sich das mal anzusehen". Man muss bedenken, dass der Mann da schon ca. 90 Jahre alt war. Im Gegenzug erfuhr ich viel aus seiner Geschichte und las mich durch sein altens Dorfschulheft, welches neben dem Lied für den Kaiser und ein paar Kirchenliedern auch einige Seiten "Knigge" enthielt. Ich war beeindruckt, wie wenig im Buch über Mathematik und Deutsch stand, wie viel Platze aber für Kirche, Knigge, etc. war. Leider ging das Buch verloren. Auch erinnere ich mich an Karls Spruch: "Mit ein paar kleinen Dellen ist es mir von der Kindheit bis ins Alter immer etwas besser ergangen. Denk an meine Wrote, bei euch wird es umgekehrt sein." Manchmal hat man das Gefühl, er soll wohl Recht behalten. Die Westheimer Bevölkerung wird sich auch immer an das Bild erinnern, wenn "Onkel Karl", der alte Herr Köhler (Schmiede) und Jesper Senior (Modegschäft) in der Hauptstraße vor Köhlers Schmiede auf der Bank saßen und das Treiben an der B7 beobachteten und kommentierten. Leider finde ich das Bild dazu nicht, welches ich einmal hatte...

 

Als das alte E-Werk an der Mündung des Mühlengraben in die Diemel verkauft wurde, gab es noch eine sehr interessante Informationsveranstaltung in dem Gebäude. Herr Wilfried Holtey, Betreiber der neuen Stromgewinnungsanlage am Wehr, hat uns dazu die folgenden Informationen zu der Veranstaltung zur Verfügung gestellt:

 

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100 Jahre Strom in Westheim

 

Jubiläumsfeier in Westheim am 02.09.2006

Vor 100 Jahren wurde in Westheim der erste Strom erzeugt. Dieses Jubiläum feiert die Fa­milie Holtey am 02.09.2006.

Bereits um 1900, fasste der Müller Wilhelm Holtey (1871 -1952) den Ent­schluss, mit dem Wasserrad seiner Getreide­mühle auch Strom für den Ort Westheim zu erzeugen. 1906 war es dann so weit: das Westheimer Elektrizitäts­werk lieferte den ersten Strom. Es bestand damals neben dem Wasserrad aus ei­nem Gleichstromdynamo, einer Akkumulato­ren­batterie, der zugehörigen Schaltanlage und einem zunächst noch sehr kleinen Ortsnetz.

 


erster Strom im Westheim: Generator von 1906

 

Vorrangiges Ziel war damals die Installation einer öffentlichen Straßenbeleuchtung. In der Folgezeit fanden Handwerksbetriebe schnell Gefallen an der neuen Energieform. Nach und nach ließen sich auch immer mehr private Haushalte versorgen. Der Strombedarf stiegt stetig an. Zu seiner Deckung vergrößerte Wil­helm Holtey sein Elektrizitätswerk immer wie­der: 1919 errichtete er am Ende des Westhei­mer Mühlengrabens ein zweites Wasserkraft­werk.

 

Ehemaliges Wasserkraftwerk „An der Diemel 6“.
Hier wird am 02.09.2006 gefeiert.

 

1928 schaffte er ein Dieselaggregat an. In der Folgezeit wurde die Leistung der beiden Was­serkraftwerke mit besseren Turbinen erhöht. Bis Ende 1958 konnten Wilhelm Holtey und seine Söhne den Ort Westheim mit Strom ver­sorgen.

Zum 1. Januar 1959 übernahmen dann die VEW die Stromversorgung von Westheim. Das Stromnetz wurde zu diesem Termin von Gleichstrom auf Wechselstrom umgestellt. Die Wasserkraftwerke in Westheim speisen seit diesem Termin in das öffentliche Stromnetz der VEW (heute RWE) ein.

Nun jährt sich die erste Stromerzeugung in Westheim zum 100. Mal. Grund genug für Familie Holtey, dieses Jubiläum mit einem Fest zu begehen:

Jubiläumsfest am 02.09.2006:

Ab 10:00 haben Interessierte die Gelegenheit das neue Wasserkraftwerk am Westheimer Wehr zu besichtigen.

Ab 12:00 findet die eigentliche Feier mit Aus­stellung „An der Diemel 6“ statt, auf dem Ge­lände des früher sogenannten „E-Werk“ statt. In den ehemaligen Betriebsräumen werden historische Geräte und Dokumente ausgestellt.

 

historische Instrumente

 

Fernen sollen auch Elektrogeräte aus der An­fangszeit der Elektrifizierung zu besichtigen sein. Hier fragt die Familie Holtey an: Wer hat historische Elekt­rogeräte, die anlässlich der Feier gezeigt wer­den könnten, als Leihgabe für die Dauer der Ausstellung. Kontakt:Winfried Holtey, 05251/480555.

Wie es sich für ein solches Fest gehört, ist für das leibliche Wohl gesorgt (zu ermäßigten Preisen).

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Über dieses Haus

 

Dieses Haus „An der Diemel 6“ früher „Westheim Haus Nr. 194“ wurde 1919 von unserem Großvater für den Betrieb einer Turbine gegründet.

1928 wurde das Haus um einen Querriegel verbreitert. In diesem Querriegel waren ein Dieselaggregat und eine Akkumulatorenbatterie untergebracht. Das Dachgeschoss beherbergte eine Schreinerei.

Diese Schreinerei und damit der Dachstuhl brannte 1931 aus. Der Dachstuhl wurde neu aufgebaut und erhielt damals schon seine heutige Form als Krüppelwalmdach.

1936 wurde die Turbine im Haus durch eine neue Franzisturbine der Firma Voith ausgetauscht. Dazu wurde vermutlich auch der Zulaufgraben geändert.

 

 

 

1948 wurde das Haus um ein Geschoss aufgestockt. Nach dem Krieg mangelte es akut an Wohnraum. So konnten im Haus zwei Wohnungen im Ober- und Dachgeschoss eingerichtet werden.

1953 kam der Anbau auf der Westseite für die Ossberger-Turbine hinzu. Einige Jahre später wurde dieser Anbau um einige Steine angehoben, damit über der Turbinenanlage ein Stauraum entstand. Dieser Zustand blieb bis 2004 so erhalten.

Seit 2002 sind die Turbinen endgültig stillgesetzt. Die Anlagen werden nun seit 2004 zurückgebaut.

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Mühle

 

Daten der Anlage

Turbinenart:       Franzis-Schachtturbine mit stehender Welle

Hersteller:           Neumann, München (gibt es nicht mehr)

Baujahr:              1908


zur Geschichte der Turbine:

Die Turbine stammte ursprünglich aus „der großen Mühle“ in Hasede bei Hildesheim. Dort wurde sie ausgebaut und als gebrauchte, damals ca. 25 Jahre alte, Turbine in der Westheimer Mühle wieder eingebaut. Der Kontakt zur Haseder Mühle kam wahrschein­lich durch die Großmutter zustande, denn sie stammte aus Himmelsthür bei Hildesheim.


Projektierte Daten 1933:

Gefälle:                                                              1,8 m

max. Durchfluss:                                                        2,6 m3 / s

Wirkungsgrad bei Volllast:                               79 %

mech. Leistung:                                                49 PS = 36 kW

daraus zu erwartende elektrische Leistung: 30 kW

Drehzahl:                                                           70 U /min


tatsächliche Daten:

Gefälle:                                                    ca.    1,5 m (bis in die 70er Jahre)
                                                                  ca.    1,2 m (90er Jahre)

max. Durchfluss:                                              ca.    2,5 m3 / s

erzielte elektrische Leistung:                 max.          20 kW (bis in die 70er Jahre)
                                                                  max.12 kW (90er Jahre)

daraus zurückgerechneter Wirkungsgrad:    67 % (bis in die 70er Jahre)
                                                                  ca.    50 % (90erJahre)

Jahresstromerzeugung:                         bis    100 000 kWh (60er Jahre)
                                                                  ca.    20 000 kWh (90er Jahre)

Bei der Projektierung der Anlage war mein Großvater offensichtlich zu optimistisch be­züglich des nutzbaren Gefälles. Vermutlich hat er das Grabengefälle zu gering angesetzt. Bei der Planung wurde ferner eine später zu genehmigende Wehrerhöhung um 30 cm berücksichtigt. Damit hätte die zu erwartende elektrische Leistung 36 kW betragen.

Die erwartete Leistung wurde bei weitem nicht erreicht. Auch der projektierte Wirkungs­grad wurde nicht erreicht, er lag aber zumindest anfangs noch in dem Rahmen, der für eine gebrauchte Turbine dieses Baujahrs zu erwarten war.

Als ich die Anlage 1998 übernahm lag der Wirkungsgrad nur noch bei ca. 50 %. Dafür gab es mehrere Gründe: Die Turbine war zwar noch intakt aber schon erheblich ver­schlissen. Durch Probleme mit dem Obergraben war nicht mehr die volle Stauhöhe mög­lich. Die Sohle des Untergraben hatte sich durch Ablagerungen erhöht. Insgesamt ging so ein erheblicher Teil des Gefälles verloren. Für dieses verringerte Gefälle war dann die Drehzahl (sie wird durch, Getriebe, Generator und Netzfrequenz vorgegeben) nicht mehr optimal und der Wirkungsgrad nahm auch dadurch weiter ab.


Übersetzung:

Kegelrad-Winkelgetriebe von Wülfel und Riementrieb von 70 U/min auf 1030 U/min


Generator:

bis 1959:   Gleichstromdynamo, Leistung geschätzt 30 kW
ab 1959:    Asynchrongenerator, 1030 U/min, 22 kW


Schaltanlage:

1933:                  Schaltanlage für Inselbetrieb
ab 1959:    Schaltanlage zur Einspeisung in ein Drehstromnetz
Erfahrungen mit der Anlage

Betrieb

Die Anlage wurde manuell betrieben. Den größten Arbeitsaufwand forderte die Reinigung des Einlaufrechens mit einer Putzharke. Das Reinigungsintervall hing vom Schwemm­gutaufkommen ab. Im Sommer genügte es, den Rechen zweimal täglich zu reinigen. Im Herbst oder im Winter bei einsetzendem Hochwasser war mindestens eine stündliche Reinigung notwendig. Zeitweise musste stillgesetzt werden.

Weiter war die Öffnung der Turbine per Hand einzustellen. Bei zu kleiner Öffnung läuft Wasser vorbei oder es wird zu hoch gestaut, bei zu großer Öffnung  fällt der Oberwas­serpegel ab. In beiden Fällen geht Leistung verloren. Eine optimale Einstellung ist manu­ell kaum möglich. Meistens hat man die Öffnung etwas zu klein gewählt und etwas Was­ser vorbei laufen lassen.

Insgesamt lag der Arbeitsaufwand für den Betrieb der Anlage bei weniger als 1 Stunde pro Tag im Sommer bis hin zu mehreren Stunden täglich im Winter. Im Winter musste zudem der Mühlengraben enteist werden.

Solange die Mühle betrieben wurde (bis 1972), waren genügend Leute vor Ort zum Be­trieb des Wasserkraftwerks. Danach wurde der Betrieb für meine Vorfahren sehr mühsam und war eigentlich nicht mehr rentabel.


Wartung:

Die Turbine neigte dazu, sich mit Schwemmgut zu zusetzen. Dadurch ging Leistung ver­loren. Von diesem Schwemmgut wurde die Turbine meistens zweimal jährlich gereinigt. Für eine optimale Energieausbeute hätte man wesentlich häufiger reinigen müssen (zeit­weise wöchentlich). Ferner rostete die Leitapparatverstellung regelmäßig fest. Die Tur­bine ließ sich dann nicht mehr regulieren. Zum Wieder-gängig-machen, musste das Was­ser aus dem ge­samten Mühlengraben abgelassen werden, die Turbine wurde zerlegt, gefettet und wie­der zusammengebaut. Dies war jeweils Arbeit für zwei Leute für ein bis zwei Tage. Diese Arbeit wurde etwa alle 5 Jahre fällig, wurde aber nicht immer ausge­führt.

Die übrigen Anlagenteile des eigentlichen Kraftwerks waren wartungsarm: Lager schmie­ren, Riemen fetten usw. Der Unterhalt des Mühlengrabens und der Wehranlage hingegen war stets sehr arbeits­intensiv.


Reparaturen:

Soweit ich mich erinnern kann, hat es nur wenige Reparaturen gegeben.

Das Führungs-Lager der Turbine wurde ersetzt. Es ist zu vermuten, dass die Turbine durch das verschlissenen alte Lager zuvor Schaden genommen hat (zu großes Lager­spiel führt dazu, dass das Laufrad am Außenmantel schleift und so verschleißt).

Der Zahnradsatz des Kegelradgetriebes musste getauscht werden. Dies war sehr teuer, die Reparatur hat den Erlös von zwei Jahren Stromerzeugung verschlungen!


Verschleiß:

Die Turbine hat über 90 Jahre Betriebszeit sehr gut überstanden. Neben einer sehr soli­den Konstruktion, liegt das daran, dass durch den langen Mühlengraben nur wenig Sand und Kies bis zur Turbine gelangt ist.

Die Turbine könnte nach einer Generalrevision noch viele Jahre weiterbetrieben werden. Das Teuerste an einer solchen Generalrevision wäre der Aus- und Wiedereinbau des Laufrades. Mit einem überschaubaren Aufwand könnte die Turbine wieder in einen ähn­lich guten Zustand wie 1933 versetzt werden. Dies lohnt sich aber deshalb nicht, weil die Turbinentechnik nach 1908 noch deutlich verbessert wurde (siehe Schautafel zur Voith-Anlage).

Wie alles in der Westheimer Mühle begann

Schon sehr früh plante unser Großvater, mit seinem Wasserrad Strom zu erzeugen und ein Ortsnetz aufzubauen. Die ersten Angebote dazu datieren auf das Jahr1900.

1906 erzeugte er mit seinem Wasserrad den ersten Strom.



Ausrüstung der Anlage von 1906
Wasserrad:                  Durchmesser 4,5 m, Breite ca. 1,8 m


Elkektrotechnische Ausrüstung 1906:
(laut Angebot der Lahmeyer vom 3.04.1906):

Dynamo:                     11 kW, 1350 U/min, 230/300 V Gleichspannung  
                                      1254 Mark

Blei-Akkumulator:     120 Zellen mit 54 Ah                                                
                                      2252 Mark

Schaltanlage:             Schalttafel in Marmor                                               

                                      Sicherungen
                                      Spannungsmesser, Strommesser
                                      Zellenschalter für den Akkumulator
                                      400 Mark

Montage                      450 Mark zuzügl. Leistungen durch Bauhandwerker

Leitungsmaterial für Motoren und Beleuchtungsanlage: insgesamt ca. 600 m Draht
Montagezubehör für Leitungen
 

Gesamtpreis der elektrotechnischen Ausrüstung: 5000 Mark

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Ossberger:

 

Daten der Anlage

Ossberger-Durchström-Turbine mit Teilung 1/3, 2/3
Hersteller:                              Ossberger
Baujahr:                                 1952
Gefälle:                        ca.    2,90 m       (zuletzt 2,40: verringerte Stauhöhe)
max. Durchfluss:                   1,8 m3 / s   (1,6 m3 / s bei der verringerten Stauhöhe)
Wirkungsgrad:                       Herstellerangabe: mind. 80 %, tatsächlich: ca. 75 %       
Drehzahl:                               105 U/min
mech. Leistung:                    Herstellerangabe: 42 kW (57,5 PS)
elektrische Leistung:   max.  32 kW
Jahresstromerzeugung:       max.180 000 kWh (zuletzt: ca. 120 000 kWh)

Übersetzung zum Generator
Flachriementrieb mit Sieglingriemen von 105 U/min auf 625 U/min
Riemenscheiben: 2000 mm, 333 mm


Generator
Asynchrongenerator von Siemens, 40 kW, 625 U/min,

Schaltanlage
Schaltanlage zur Einspeisung in ein Drehstromnetz (Siemens)


Automatisierung
Jahns-Regler für Schnellstopp bei Lastabwurf und zur Leistungssteuerung nach Wasser­stand mit Schwimmer.

 

Erfahrungen mit der Anlage

Betrieb

Durch den Riementrieb lief diese Anlage so ruhig, dass das Geräusch in den Wohnungen oberhalb nicht störte.

Die Anlage wurde teilautomatisch betrieben. Über einen Schwimmer und einen Jahns­regler wurde der Oberwasserstand konstant gehalten. Der Regler stellte die Öffnung der Turbine genau passend zur Wassermenge ein. Ferner setzte sich die Anlage bei Lastab­wurf (Ausfall des Stromnetzes der VEW) selbsttätig still.

Der Rechen musste manuell gereinigt werden. Das Reinigungsintervall hing vom Schwemm­gutaufkommen ab. Im Sommer genügte es, den Rechen zweimal täglich zu reinigen. Im Herbst oder im Winter bei einsetzendem Hochwasser war mindestens eine stündliche Reinigung notwendig. Zeitweise musste ganz stillgesetzt werden.

Auch bei starkem Eisgang musste stillgesetzt werden. Ebenso bei Hochwasser, weil dann das Laufrad um Unterwasser watete und so abgebremst wurde.

Wartung:

Die Anlage war sehr wartungsarm. Halbjährlich waren Lager und Riemen zu fetten. Ein Riemen hielt etwa 15 Jahre. Jährlich wurde der Graben geräumt.

Reparaturen:

Das Laufrad musste 1960/61 und 1989 erneuert werden. Von 1980 bis 1989 wurden nach jedem Winter Schäden am Laufrad repariert. Die Konstruktion war 1952 offensicht­lich noch nicht ausgereift. Das letzte Laufrad von 1989 ist deutlich robuster ausgeführt. Andere Reparaturen sind uns nicht bekannt.

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Voith:

 

Daten der Anlage

Franzis-Schachtturbine mit stehender Welle, Turbinen-Nr. 12056
Hersteller:                              Voith
Baujahr:                                 1936
Gefälle:                        ca.    2,80 m      
max. Durchfluss:                           1,57 m3 / s         
Wirkungsgrad bei Volllast:            82 %
Drehzahl:                               135 U/min
mech. Leistung:                    Herstellerangabe: 37 kW (48 PS)
elektrische Leistung:            30 kW
Jahresstromerzeugung: zusammen mit der Ossberger-Turbine: max. 250 000 kWh


Übersetzung zum Generator

Präzisions“-Winkelgetriebe von Voith 135 U/min auf 1030 U/min

Generator
Asynchrongenerator von AEG, 32 kW, 1030 U/min,

Schaltanlage
Schaltanlage zur Einspeisung in ein Drehstromnetz (Siemens)


Automatisierung
Drees-Regler für Schnellstopp bei Lastabwurf und zur Leistungssteuerung nach Wasser­stand mit Schwimmer.

 

Erfahrungen mit der Anlage

Betrieb

Durch das Winkelgetriebe war diese Anlage sehr laut. Außerdem produzierte das Ge­triebe viel Wärme: durch eine Klappe in der Decke wurde die Wohnung oberhalb geheizt.
Wegen der Geräusche wurde nach 1953 überwiegend die Ossberger-Turbine verwendet.

Der Wirkungsgrad der Turbine war gut. Im Leistungsvergleich konnte sie mit der Ossber­ger-Turbine mithalten, obwohl sie 10 % weniger Wasser fasste. Der Auto­matisierungs­grad entsprach seit den 60-er Jahren dem der Ossberger-Anlage: Wasser­standreglung und Stillsetzen bei Lastabwurf. Der hauptsächliche Arbeitsaufwand bestand in der Reini­gung des Einlaufrechens (siehe Ossberger).


Wartung
Die Turbine musste mehrmals im Jahr von Schwemmgut gereinigt werden. Dies war ein erheblicher Nachteil gegenüber der Ossberger-Turbine, denn zur Reinigung der Turbine musste jeweils der gesamte Mühlengraben abgelassen werden.
Über sonstige Wartungsarbeiten ist mir nichts überliefert worden.


Reparaturen:

Anfänglich bereitete die Leitapparatverstellung Probleme. Mehrmals mussten Lagerbuch­sen und Bruchlenker ausgetauscht werden. Schäden treten hier auf, wenn sich Äste zwi­schen die Leitschaufeln setzen und die Leitschaufeln dann verstellt werden. Von sonsti­gen Reparaturen weiß ich nichts. Unsere Vorfahren waren mit der Qualität der Turbine sehr zufrieden.
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Johann Wilhelm Theodor Schulte-Holtey            9.1.1824 – 6.5.1881

Unser Urgroßvater stammte aus Beule bei Essen-Steele. Auch unsere noch älteren Vorfahren stammen aus der Gegend bei Essen: Beule, Horst Altendorf.

Wilhelm Holtey (genannt Knühl) war Müller und Bauer. Am 28.11.1861 heiratete er die Witwe Agatha Degenhard, geb. Stute aus Westheim und übernahm so die West-heimer Mühle.

Agatha und Wilhelm Holtey hatten miteinander mindestens fünf Kinder: vier Töchter (siehe Familienbild unten) und als letztes Kind einen Sohn, unseren Großvater Wil­helm Holtey.

Wilhelm verstarb im Alter von 57 Jahren an Lungenentzündung. Bis zur Geschäfts­fähigkeit ihres Sohnes führte Agatha Holtey die Geschäfte der Mühle weiter.

Großmutter Agatha Holtey war in erster Ehe mit Friedrich Degenhard verheiratet.
Friedrich Degenhard (1812 – 13.9.1857) oder sein gleichnamiger Vater (1774 – 24.4.1839) kaufte 1837 die Westheimer Mühle für 2500 Taler vom Westheimer Gut. Besitzer des damaligen „Rittergutes Westheim“ war Herr Karl Engelbrecht.
Aus Ihrer ersten Ehe hatte Urgroßmutter Agatha eine Tochter: Caroline Degen­hard.

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Wilhelm Holtey 09.01.1871 – 21.07.1952

Nachdem Urgroßvater Wilhelm Holtey verstorben war, übernahm Urgroßmutter Agatha Holtey die Geschäfte der Mühle bis Großvater Wilhelm Holtey geschäftsfähig war. Großvater Wilhelm hatte vier Schwestern und eine Halbschwester. Für die Ver­sorgung der Halbschwester Caroline Degenhard (Tochter der Agatha Holtey aus erster Ehe mit Friedrich Degenhard) wurde die Mühe mit einer Hypothek belastet. Außer­dem ist davon auszugehen, dass auch die anderen Schwestern auszusteuern bzw. zu versorgen waren. Daher übernahm Großvater Wilhelm Holtey die Westheimer Mühle mit erheblichen Schulden.

Trotzdem modernisierte der die Mühle von Grund auf: die alten drei einzelnen kleinen Wasserräder ersetzte er durch ein neues großes Wasserrad von 4,6 m im Durchmesser und 1,8 m Breite und stattete die Mühle mit damals neuester Technik aus (vor 1900). 1906 gründete er das Westheimer Elektrizitätswerk; mit seinem Wasserrad erzeugte er den ersten Strom in Westheim. Zur Finanzierung verkaufte er den größten Teil der Landwirtschaft. 1919 errichtete er am Ende des Westheimer Mühlengrabens ein zweites Wasserkraftwerk (Westheim Haus Nr. 194, jetzt An der Diemel 6). In der Folgezeit wurden die beiden Wasserkraftwerke weiter modernisiert und erweitert.

Großvater Wilhelm Holtey heiratete 1896 Maria Heidland aus Himmeltür bei Hildes­heim. Mit ihr hatte er 13 Kinder, von denen 10 das Erwachsenenalter erreichten. Ein Sohn verstarb mit 21 Jahren an Lungenentzündung ein weiterer Sohn fiel im zweiten Weltkrieg.

 

 

Zusatz Strompionier:

Unser Großvater erkannte sehr früh, dass Strom die Energie der „Zukunft“ war. Seine Pläne für ein eigenes E-Werk reichten mindestens bis 1900 zurück.
(Auf 1900 datieren erste von uns gefundene Angebote zur Ausstattung eines Elektrizitätswerks).

1906 gründete Großvater das „Westheimer Elektrizitätswerk“, und der Ort bekam elektrisches Licht. Dies war für die Größe des Ortes sehr früh. In Westheim brannte die elektrische Straßenbeleuchtung früher als im viel größeren Ort Marsberg.

Unser Großvater war ein wagemutiger Unternehmer: er verkaufte die Landwirtschaft um die Ausstattung seines Elektrizitätswerks bezahlen zu können.

Dies sind für mich die Kriterien für einen (Strom)-Pionier:
- früher und fester Glaube an die Zukunft einer Technologie (hier: Strom)
- tatkräftige Umsetzung
- Bereitschaft dafür erhebliche Risiken einzugehen

Früh glaubte unser Großvater an die Zukunft des Stroms und ließ sich auf das erhebliche wirtschaftliche Risiko ein, ein Elektrizitätswerk aufzubauen.

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Clemens Liborius Holtey          04.11.1917 – 14.10.2001

Unser Vater Clemens hatte einen weniger geradlinien Lebensweg:
Er studierte zunächst Theologie. Dann wurde er zum zweiten Weltkrieg eingezogen (Russland). Nach dem Krieg brach er das Theologiestudium ab und wechselte zur den Volkswirtschaften. 1946 arbeitete er für ein Jahr bei der Reparatur des Stauwehrs mit. Nach einigen Jahren in Westheim nahm er 1959 eine Stelle bei der VEW in Arnsberg an.

Mit unserer Mutter Maria Holtey, geb. Spiller hatte er drei Kinder.
 

 

 

     

 

    

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Elisabeth Schubach, geb. Holtey        24.09.1911 – 04.02.2006

Tante Elise verbrachte ebenfalls die meiste Zeit ihres Lebens in Westheim.

Sie heiratete erst spät den Müller Hubert Schubach und hatte keine Kinder. Hubert Schubach war der Bruder von Elisabeth Holtey, der Frau von Onkel Fritz.

 

 

     

 

    

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Friedrich Herbert Aloysius Holtey    16.06.1904 – 31.03.1994

Onkel Fritz war der ältere der beiden Müller seiner Generation. Er führte zusammen mit seinem Bruder Josef die Westheimer Mühle bis 1972. Zusammen mit ihm modernisierte und elektrifizierte er die Mühle.

Onkel Fritz überlebte den zweiten Weltkrieg in Russland.

Onkel Fritz heiratete erst sehr spät Elisabeth Schubach und hatte keine Kinder.

 

 

 

 

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Josef Holtey                         16.03.1906 – 11.04.1994

Onkel Josef war der jüngere der beiden Müller seiner Generation. Er führte zusammen mit seinem Bruder Fritz die Westheimer Mühle bis 1972. Zusammen mit ihm modernisierte und elektrifizierte er die Mühle.

1946 arbeitete er für ein Jahr bei der Reparatur des Stauwehrs mit.

Obwohl Onkel Josef früher als seine Geschwister verlobt war, heiratete auch er erst sehr spät Helene Jesper aus Westheim und hatte keine Kinder.

 

 

 

 

 

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Karl Maria Joseph Holtey         18.04.1903 – 15.11.1998

Onkel Karl war für die längste Zeit des Bestehens des Westheimer Elektri­zitätswerks (bis Ende 1958) der Betriebselektriker und war damit für den Betrieb der Wasserkraftwerke und für den Unterhalt des Ortsnetzes ver­antwortlich.

Bis in die 70er Jahre führte er einen kleinen Elektroinstallati­onsbetrieb. Auch danach betrieb er das Wasserkraftwerk „An der Diemel 6“ weiter.

Er heiratete spät Maria Wulff und hatte keine Kinder.

 

     

 

 

 

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Onkel Karls Drehbank

 

ca. 1925

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Bilder:

 

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Fotos vom Tag der offenen Tür am 02.09.2006 (Archiv Jörg Erkel):

 

 

Anmerkung: Bericht eingestellt und Vorwort verfasst sowie großteil der Bilder der abschließenden Gallerie von Jörg Erkel, Großteil der Daten zu Familie und Technik von Winfried Holtey

images/stories/geschichte/Holtey/elise-4.jpgimages/stories/geschichte/Holtey/fritz-2.jpg/pimages/stories/geschichte/Holtey/tag-der-offenen-tuer/i/tag-der-offenen-tuer (39).jpg

 

In Westheim gibt es 2 Kirchen, die evangelischen Erlöserkirche und die katholischen St. Vitus Kirche.

 

Frau Annemarie Lux hat im Jahre 1985 ein sehr lehrreiches Büchlein "Unsere  Heimatgemeinde Westheim" herausgebracht. Sie schreibt über die Kirchen, Schulen, Kindergarten usw.. Wir haben die Erlaubnis, das Buch hier einustellen. Ein Link zum Buch findet sich am Ende dieses Beitrages.

 

 

Die ev. Kirche wurde in den 1950 er Jahren vergrößert, der Eingang befand sich auf der Westseite.

 

Diese Kirche wurde unter großen persönlichen Mühen von Pastor Wilhelm Schwarz 1858 erbaut. Er kaufte zunächst den hinteren Garten vom Schuster Joseph Leifels.

Der Eingang zur Kirche war zunächst zwischen den heutigen Häusern Zieren-Vollmerig und Benteler. Später wurde der vordere Teil des Gartens zugekauft und der Eingang zum Kirchhof an die Nordseite verlegt. Die drei Glocken der Erlöserkirche haben folgende Namen und Inschriften.

 

Trostglocke

Gebetglocke

Freudeglocke

 

 

2008 wurde das 150 jährige Bestehen der Kirche mit einer großen Festwoche gefeiert. Es wurde ein Buch "Wie lieb sind mir Deine Wohnungen" herausgegeben.

 

Alle anderen Informationen im Anhang.

 

 

Die kath. St. Vitus Kirche wurde 1895 erbaut.

 

 

Die vorherige Kirche (1688-1895) wurde, als die neue Kirche fertig war, abgebrochen.

 

Eine kurze Zeit gab es zwei Kirchen. Vor der Kirche von 1688 gab es eine kleine Kirche. Sie stand auf dem früherem Gutshof. "Heute Brauereihof". Zu Zeiten der Herren von Calenberg war im Schloß (Ritterburg) eine Kapelle vorhanden.

 

 

Um 1955 wurde die Kirche renoviert. Das Dach wurde erneuert. Die vier kleinen Türme wurden zurückgebaut. Später wurde die kleine Turmuhr durch eine größere  ersetzt. Etwa zur gleichen Zeit wurde der Weg von der Kirche zum Friedhof durch den Schützenverein angelegt. Die Trauerzüge mußten nicht mehr über die Hauptstraße gehen. Weitere Berichte, auch von den Glocken der kath. Kirche im Anhang.

 

Link zum Buch von 1985 "Unsere  Heimatgemeinde Westheim" von Frau Annemarie Lux

 

 

Die Informationen wurde zusammengetragen von Wolfgang Becker, die Bilder erstellt und/oder aufbereitet von Horst Mänz und alles im Internet veröffentlicht von Jörg Erkel.

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